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Etymologie von „Vampir“
zugänglich für Besucher
verfasst von Jeanette
veröffentlicht am 28. Oktober 2007

Die Herkunft des Wortes „Vampir“ zählt zum unerlässlichen Hintergrundwissen, um die Vampyrgesellschaft und die Zusammenhänge mit dem mythologischen Vampir richtig zu deuten. Sie zeigt uns nicht nur die Ursprünge des Mythos und seine Veränderungen im Laufe der Zeit, sondern beweist auch, dass der Begriff relativ jung ist und wir ihn nur als Metapher nutzen.

Sprache unterliegt über die Jahrhunderte hinweg einem stetigen Wandel. Es verändern sich nicht nur die Schreibweise und die Aussprache von Worten, sondern auch ihre Bedeutung. Früher war dies noch stärker ausgeprägt, da vieles nur mündlich weitergegeben wurde und es bis ins 18. Jahrhundert keine einheitliche Rechtschreibung für schriftliche Erzeugnisse gab. Menschen, die schreiben konnten, orientierten ihre Orthographie am jeweiligen Dialekt ihrer Heimat und versuchten die gehörten Laute mit den Buchstaben nachzuahmen.



Die Wurzeln des Wortes „Vampir“ können wir schon vor über einem Jahrtausend in der Angst vor Wiedergängern finden. In den Zeiten vor der Christianisierung war hauptsächlich die Feuerbestattung in Europa verbreitet. Ein christliches Begräbnis schrieb jedoch die unbeschädigte Beisetzung des Toten vor. Dies schürte bei der einheimischen Bevölkerung die Furcht, die Seele des Toten könnte zurückkehren und eine ordnungsgemäße Bestattung des Körpers fordern. Ein solcher Wiedergänger trug damals den Namen „o-Pyr“. „Pyr“ bedeutet in diesem Fall „Feuer“ und bei „o“ handelt es sich um eine verneinende Vorsilbe, woraus sich sinngemäß das Wort „Unverbrannter“ ergibt.

Durch die mündliche Verbreitung dieser Mythen und die unterschiedliche Aussprache des o-Pyr, veränderte sich das Wort durch Lautverschiebungen zu „Opior“, „Obijri“ und „Upir“.

In schriftlicher Form tauchte „Upir“ zum ersten Mal 1047 in einem Dokument an einen russischen Prinzen auf, wo dieser als „Upir Lichy“ bezeichnet wird. Wörtlich genommen heißt dies zwar „böser Vampir“, in diesem Fall ist jedoch die sinngemäße Übersetzung mit „Plagegeist“ wohl angemessener.

Wirklich bekannt geworden ist die Bezeichnung „Upir“ aber erst im 17. Jahrhundert, als die Angst vor blutsaugenden Untoten in Mitteleuropa aufkam und sie den Namen dieses Wiedergängers erhielten.

In Folge der Übersetzungen aus dem kyrillischen in das lateinische Alphabet, gab es gravierende Veränderungen in der Schreibweise. In einem Bericht von 1725 über eine Vampir-Epidemie ist zum Beispiel von „Vanbijris“ die Rede. Häufig wurde aber aus dem „Upir“ ein „Vampiri“ oder auch „Wampijr“.

Die Schreibweise „Wampijr“ war am häufigsten anzutreffen. Es wurde schon auf die gleiche Weise geschrieben, wie wir das Wort „Vampir“ heute aussprechen. Das V sehr weich wie ein W und anstelle des einfachen I stand ein IJ, welches dem heutigen IE entspricht.
Es kam allerdings immer wieder zu Verwechslungen zwischen den Buchstaben W und V. In vielen Dokumenten sahen IJ und Y sich ebenfalls sehr ähnlich. So kam es, dass 1732 schließlich in den Berichten auch das Wort „Vampyrs“ zu lesen war. Diese Schreibweise setzte sich zu Beginn an den meisten Stellen durch. 1734 wird das Wort „Vampyre“ zum ersten Mal in die Lexika aufgenommen und dadurch offiziell Teil der englischen Sprache.

Im 18. und 19. Jahrhundert wechselte die Schreibweise immer wieder zwischen „Vampir“ und „Vampyr“. Im Deutschen wurde vornehmlich die Schreibweise „Vampir“ gebräuchlich, während im Englischen „Vampyre“ bevorzugt blieb. So verfasste zum Beispiel Heinrich August Ossenfelder 1748 das Gedicht „Der Vampir“, doch 1819 brachten Lord Byron und John Polidori die Kurzgeschichte „The Vampyre“ heraus. Schlussendlich setzte sich aber die deutsche Schreibweise durch und selbst im Englischen wird der Vampir heute nur noch mit I und nicht mehr mit Y geschrieben.



Zusammenfassend macht dieser Artikel wohl sehr deutlich, dass der Begriff keine so wichtige Bedeutung hat, wie ihm oft beigemessen wird. Die Bezeichnung „Vampyr“ nutzen wir nur dazu, um unser Wesen zu versinnbildlichen und er bleibt schlussendlich nur ein Name. Verbindungen zwischen uns und den mythologischen Vampiren zu suchen, wäre im besten Fall grotesk. Die Vermutung, wir wären die Ursache der Mythen, ist ebenfalls lächerlich. Es gab sicherlich auch Vampyre in der Vergangenheit, aber wir finden bestimmt keine Hinweise auf ihre Existenz in den alten Überlieferungen über Vampire, sondern an ganz anderer Stelle.




© Jeanette von Nexus Noctis, November 2011
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